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BUST OF A SUN GOD
Flora Weber
„Wir stressen uns hier nicht. Sag einfach Bescheid. Natürlich solltest du nicht jeden Tag einen schlechten Tag haben.“
Sie lacht.
Dann fährt sie die Kasse hoch.
„Aha, das System spinnt schon wieder“, sagt sie, „das passiert häufig, dann musst du hier drücken, auf RESET. Nochmal zu den schlechten Tagen“, sie lächelt mich an, „man muss weinen, manchmal, einfach alles raus lassen, dann geht es einem besser.“
Sie dreht sich um, zum Regal mit dem Selbstbräuner. „Es gibt schwach, mittel, stark. Die meisten Kunden wissen sowieso schon von allein, was sie wollen, die sind da mehr in der Materie.“
Ob ich denn mal eine Führung wollen würde?, fragt sie. Ich bejahe.
Als Erstes laufen wir zur Maschine für Selbstbräunung mit Tan.
Sie drückt einen Knopf und erklärt:
„Da musst du nur AN drücken, dann macht sie alles von allein, gibt den Kunden Anweisungen, wie sie sich zu drehen haben. Manchmal stimmt irgendetwas nicht, selten, dann sind die Leute nur zur Hälfte braun. Aber das nimmt uns keiner übel hier, sind ja alles Stammkunden.“
Sie führt mich weiter und erklärt mir alle Sonnenbänke. Wir bleiben stehen vor Kabine Nummer 11.
„Das“, sagt sie, „ist unser Porsche unter den Sonnenbänken. Erschreck dich
nicht wenn die Leute da rot oder lila rauskommen. Ich sag mal so: ‚jeder ist
halt seines eigenen Glückes Schmied.‘“
Wir gehen zurück zum Tresen, eine alte Frau klopft von Außen an die Scheibe des Sonnenstudios.
„Ach“, sagt sie, „das ist meine Vermieterin. Ich sage dir, die kommt jetzt hier rein und regt sich darüber auf, dass ich auf dem Hof eine Taube füttere.“
Die alte Frau kommt in das Sonnenstudio und bleibt vor uns stehen.
Sie erzählt, dass sie gern mal wieder in den Urlaub fahren würde, es gäbe ja so Reisen von der Caritas, hätte sie gehört.
Aber es würde nur ein Zimmer mit Meerblick in Frage kommen.
„Wollen Sie nicht mitkommen, ans Meer?“, fragt sie die Sonnenstudiomitarbeiterin.
Die fragt: „Wohin denn? Ostsee?“
- Ne, dat is so weit von hier, Düsseldorf.
- Ja dann Nordsee?
- Mir egal. Aber Hauptsache Meer.
Sie einigen sich, bald ans Meer zu fahren.
Dann verlässt sie das Studio in Richtung Edeka.
Die Frau aus dem Sonnenstudio und ich stehen noch eine Weile am Tresen, reden über das Leben im Allgemeinen und über Musik im Speziellen, stellen fest, dass wir geschmackliche Überschneidungen haben, beide gern die gleichen Lieder hören, Sonnenbank flavour.
Irgendwann hole ich meine Sachen, um zu gehen. Ich hätte ja nun alles gesehen soweit, sage ich.
Einige Stunden sind vergangen, die Faketanmaschine redet immer noch.
„Hat sich wohl mal wieder verirrt.“
Die Sonnenstudiomitarbeiterin klingt gefasst.
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