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FURCHTPASSAGEN

Marlon Bösherz

Vom Nichts wissen
Ahnen
Bis befürchten

Ich stöberte in Scherben und
Heißkleberesten-
Das Bittere hielt ich:
Eine Glasperle
Ein Weichsteinrund
Die Granitkugel konnte die
Gewichte der Vorkriegswolken
Nicht halten
Weder innen noch außen



Es seien Orte
Da bündele es sich
Doch Bündelung ohne Stärkung

Es seien Orte
Da häufe es sich
Doch Haufen ohne Gewicht



Am Ende der Rituale
Fühlt sich das Spontane
‚Vor dem Impuls oder Ahnung‘
Wie das Ritualisierte an



So als käm Mensch
Stetig hierher
Öfter daher



Hab mir einen Morgen gebaut
Mühsam erbaut mit Dach und Keller
Und am Mittag bricht alles zusammen

Ich steuer auf was arges zu
Stehendes Messer an steifer Halterung
Schmecke Stahl
Schmecke die Knie
Begehre zu weinen

Schrei; Stimmlos bei Nacht
Habe zuletzt/davor
An gar nichts gedacht



Bitte kümmere dich um meine Segel
Nicht um das untere Deck
Schrubbe mir nicht die Planken
Drehe mir noch ein Tau
Halte nicht Ausschau nach Land
Rufe den Wind



Ahhh, Sturm du Betrüger
Nur Bierkrüge kannst du befüllen
Ach, Sturm du tust so, als sei
Die Zeit zu Blattzupf geneigt



Steh ich, der Blattschwere Günstling
Und passe dein Fauchen gut ab
Da lachst du hauchend meinem
Brechen entgegen und saust
In die Tiefen der Nacht. -
Da suche ich mich,
Die Teile des Toten,
Die Luftkehrseiten des Ichs
‚Ich‘ das noch lebt



So laufe ich im Kreis
Wie im Kasernenhof oder Knast

Denn alle Spiele will ich nicht spielen

Mir tun die Beine weh
Sie sind voller Steine
Mein Rücken ist gewachster
Muskel; zieht und kracht
Die Finger sind gebrannt
Geräuchert die Lunge-
Esse meiner Tage

Macht Europa nicht zum Kugelfang
Die Menschen nicht zu Waffen

Rechts und links im Hirn
Drückt einer U-Boote tot
Wie K.ferrümpfe
Schrein sie manchmal
Hört ich einst, mein Hirn
Sei ohne Herz
Ist doch Gehirnblitz, was noch
Die Leichtigkeit beschreit


Kriegsgebet

Wenn es da ist
Wenn es unter die
Augenlider schlüpft
Lass mich nicht leiden
Noch sehen das Leid
Denn der Tod wird
Tropfen für Tropfen
Mich füllen bis ich
Mit ihr gehen will
Mich aushöhlen


Für Paul Antschel nach 1925

Haderwerke entlassen ins Enge
Muss gesprochen worden sein
Was geschrieben

Leise nur traut sich Gedanke
Und Gedicht zu einem
Flüsternden Oberton



Zwei Blaugraue
Entlassen in die Enge
Und doch,
Immer werde ich einen Tod mehr
Gestorben sein
Ja, einen mehr


Vergib

Zieh deine Grenze
Blutroten Stifts
Zieh eine Grenze
Als Brücke
Vernarbe die Locken
Und zieh einen
Brückenstrich
Vergib

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